›Wir wollten etwas gründen, was wir selber gerne gehabt hätten.‹

Am Anfang  des Jubiläumsjahres werfen wir einen Blick zurück zu den Anfängen des Instituts für Kulturkonzepte. Im Gespräch mit Karin Wolf reisen wir durch die Zeit – von damals bis heute, sprechen über Vergangenes, Bleibendes und Neues.

 

›Die Arbeit mit Kulturschaffenden wird nie langweilig.
Ich bin hier am richtigen Platz, weil es mich nach 20 Jahren immer noch interessiert.‹

 

Das Institut für Kulturkonzepte wird 1994 von dem KulturmanagerInnen-Trio Karin Wolf, Nina Bernert und Georg Galambfalvy ins Leben gerufen. Ausschlaggebend für die drei Kulturinteressierten ist, dass ihnen in der Kultur- und Ausbildungslandschaft etwas fehlt: Mitte der 90er Jahre gibt es ausschließlich langfristige und kostenintensive postgraduale Lehrgänge. Der Wunsch nach kurzer und kompakter Weiterbildung motiviert das Team eine praxisnahe Fortbildungsstätte für Kulturschaffende in Wien zu gründen. Für sie selbst galt learning by doing und das wollten sie ändern.

 

›Wir hatten gar nicht die Perspektive etwas zu schaffen, dass solche Wurzeln schlägt und so lange Bestand hat.‹

 

Aus der damals neuartigen und ungewöhnlichen Idee heraus, Wochenendseminare für Kulturschaffende anzubieten entsteht etwas von dem sich keiner zu träumen gewagt hätte. Das Institut für Kulturkonzepte ist mittlerweile das größte unabhängige Weiterbildungsinstitut für Kulturmanagement in Österreich. Um so einen Schritt zu wagen, braucht es heute einen Businessplan, ein Mission Statement, eine Marktanalyse etc. Mitte der 90er Jahre, als das junge Trio an seiner Idee feilt, war dem nicht so. Ganz in Hands-on-Mentalität überlegen sie sich: ›Was braucht es? Was tun wir?‹ Das Institut wuchs so Schritt für Schritt.

Mut ist dabei weniger wichtig, als Durchhaltevermögen, denn jede Unternehmensgründung ist ein Auf und Ab. Das Dranbleiben hat sich gelohnt, die Idee nimmt seinen Lauf und plötzlich sind drei Jahre, ja fünf Jahre vorüber. Erst jetzt stellte sich die Frage: Wo entwickelt sich das eigentlich hin? …eine ambitionierte Idee, die den Nerv der Zeit trifft und kontinuierlich wächst.

 

›Es gibt heute eine Community mit regem Erfahrungsaustausch und vielseitigen Vernetzungsmöglichkeiten.‹

 

Nach 20 Jahren Erfahrung im Kulturbetrieb weiß Karin Wolf, dass eine Unternehmensgründung höchstwahrscheinlich nicht mehr so funktionieren würde und rät jungen Startups sehr genau vorzudenken. Ein Geschäftsmodell und eine Vision, wo es hingehen soll, sind heute unumgänglich. Ob es heute schwieriger ist eine Kulturinitiative zu gründen? Ja, es ist schwieriger geworden, aber auf der anderen Seite gibt es heute, anders als vor 20 Jahren, eine Szene dafür. Denkt man zum Beispiel an die Plattform der ›creativ wirtschaft austria‹, die sich für die Entwicklung der österreichischen Kreativwirtschaft einsetzt und Verknüpfungen mit anderen Branchen schafft, oder an die neuen Möglichkeiten von Ein-Personen-Unternehmen. Das  gab es in den 90er Jahren nicht.

 

Kulturkonzepte_08 Karin Wolf und Georg Galambfalvy

 

›Heute würde ich das Institut für Kulturkonzepte wahrscheinlich gründen, indem ich mich in einen Coworking Space einmiete und so Kontakte knüpfe und Netzwerke aufbaue.‹

 

In den 80er|90er Jahren war im Kulturbetrieb der Projektgedanke im Vordergrund.- Im besten Fall wurde man gefördert und dann kam das nächste Projekt. Karin Wolf und die MitgründerInnen bekommen keine Förderung für das Institut für Kulturkonzepte. Sie koppeln die Gründung aber an ein Projekt und haben dadurch eine kleine Absicherung für die ersten eineinhalb Jahre. Das Team ist auf sich allein gestellt. Heute würde sich Karin Wolf wahrscheinlich in einen Coworking Space einmieten, die Kontakte und Netzwerke vor Ort nützen und so das Institut so ganz anders gründen, als vor 20 Jahren.

 

›Es ist schön zu beobachten, dass wir mittlerweile sehr viele Menschen in den Kulturbetrieben kennen und sie uns.‹

 

Mit der Dimension, die das Institut angenommen hat, hätte die Institutsleiterin nicht gerechnet. Durch das breite und vielseitige Angebot gibt es Wochenenden, wo drei Seminare parallel laufen und eine weiteres in einem anderen Bundesland stattfindet. Gleichzeitig entwickelt das Team maßgeschneiderte Angebote für Schulungen in Kulturorganisationen. Die Menschen, die am Institut ein- und ausgehen, die sich hier fortbilden, bleiben dem Institut verbunden und auch Karin Wolf und ihr Team freuen sich, wenn sie nach den Weiterbildungen mit ihnen in Kontakt bleiben. So entsteht ein großes Netzwerk. Neben einer Einrichtung für Erwachsenenbildung ist das Institut für Kulturkonzepte auch ein Netzwerk-Knotenpunkt, an dem Informationen zusammenlaufen. Diese beeinflussen wiederum die Qualität der Seminare. Durch den kontinuierlichen Austausch mit Kulturschaffenden aus verschiedensten Sparten können Strömungen und Tendenzen aufgegriffen werden. Vor allem durch das unmittelbare Feedback der Seminar-TeilnehmerInnen ist es möglich das Programm stetig zu adaptieren.

 

›Ich finde, dass wir mit unserer Arbeit den Kultursektor durchaus beeinflussen bzw. mitgestalten, indem wir eine gewisse Art von Know-how weitergeben und Ideen mitunterstützen.‹

 

Ohne das tolle DozentInnen-Team wäre das nicht möglich. Die meisten der Dozenten und Dozentinnen begleiten das Institut für Kulturkonzepte schon seit vielen Jahren mit großem Engagement und Interesse an den TeilnehmerInnen und ihren Projekten. Zu spüren ist das v.a. in den Seminaren, wo neben der Wissensvermittlung, der fachliche Austausch und das Netzwerken eine wesentliche Rolle spielen.

 

›Ich finde es sehr faszinierend, dass ich einen Job habe, wo ich immer mit Menschen zu tun habe, die etwas wollen. Jeder hat eine Idee und versucht sie professionell umzusetzen. Das ist unglaublich inspirierend. Es ist Energie da, es ist ein Wille da und ich finde es schön, dass das Institut letztlich dazu da ist, einen Beitrag zu leisten, dass gute Ideen umgesetzt werden.‹

 

Gespannt blicken wir in die Zukunft und freuen uns auf die nächsten 20 Jahre des Instituts für Kulturkonzepte.

 

© Veronica Weyrer | Institut für Kulturkonzepte im Gespräch mit Karin Wolf

Karin Wolf ist Gründerin und Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte Wien. Ihre Schwerpunkte liegen auf Organisations- und Personalentwicklung, Moderation und Präsentationstechniken.

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Kategorien:Zukunft gestalten

3 replies »

  1. Spannend, dass sich ein Unternehmen auch ohne Businessplan durchsetzen kann. Heutzutage würde ich das aber auch keinem raten, denn meiner Erfahrung als Unternehmensberaterin nach, ist dies einer der häufigsten Gründe für das Scheitern von Neugründern. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass das Institut seine Vision verwirklicht hat, denn auch ich durfte schon ein Seminar vor Ort besuchen.

    • Liebe Barbara Huber,
      wir geben dir vollkommen recht! Wie Karin Wolf auch im Artikel gesagt hat, funktioniert heute einiges anders – und ein Businessplan bzw. ein Geschäftmodell bei Neugründungen ist einer der Schritte zum Erfolg.

      Es gab auch im Institut den Punkt, an dem diese Schritte nachgeholt wurden und – das finden wir auch sehr wichtig – ständig adaptiert und aktualisiert werden. Grad bei Business Plänen besteht ja oft die Gefahr ein statisches Konstrukt zu werden. Ständige Adaption ist daher wichtig. Was sind deine | eure Erfahrungen?

      • Adaption: ein weiterer wichtiger Punkt – keine Frage! Ich empfehle die erste Überprüfung bereits nach einem Jahr, denn oft lassen sich Punkte nicht nach Wunsch verwirklichen und neue Ideen kommen dazu. Danach reicht idR ein Abstand von 3 Jahren.

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