10 Jahre Kulturmanagement in Hamburg

EIN GESPRÄCH MIT DR. GESA BIRNKRAUT

Am Anfang des Jubiläumsjahres werfen wir einen Blick zurück in einem Interview mit Gesa Birnkraut, Gründerin und Direktorin des Institut für Kulturkonzepte Hamburg.

 

Wie hat sich das Berufsbild ›Kulturmanagement‹ deiner Meinung nach in den letzten 10 Jahren verändert?

Kulturmanagement hat sich als Profession positioniert – jede|r im Kulturbereich weiß heute, was KulturmanagerInnen sind und schätzt sie in den meisten Fällen als eine Bereicherung des Arbeitsfeldes. Das ist eine positive Entwicklung, die lange überfällig war und es ist schön zu sehen, dass nach mehr als 25 Jahren Ausbildungsgängen diese Profession endlich auch im praktischen Bereich voll akzeptiert wird.

 

 

Vor zehn Jahren hast du das Institut für Kulturkonzepte Hamburg gegründet? Was war für dich ausschlaggebend diesen Schritt zu machen?

Wir wollten gerne eine Institution gründen, die sich gemeinnützig um die Aus- und Weiterbildung von Kulturschaffen und KulturmanagerInnen kümmert. Als ich Karin Wolf und Birgit Feike auf der internationalen Konferenz von ENCATC im Jahr 2003 kennen gelernt habe, war ich sofort davon überzeugt, dass das Institut für Kulturkonzepte das richtige Format ist – umso begeisterter waren wir, als Karin sich vorstellen konnte, dass wir ein Partnerinstitut gründen würden!

 

 

Wie hat sich das Institut in den letzten 10 Jahren weiter entwickelt?

Das Institut für Kulturkonzepte Hamburg e.V. hat sich zu einem wichtigen Player auf dem Markt der Ausbildung von internationalen KulturmanagerInnen und des Coachings von Kulturschaffenden entwickelt. Angefangen haben wir auch ähnlich wie Wien mit offenen Seminaren. Allerdings haben wir schnell gemerkt, dass der Markt in Deutschland völlig anders ist, als in Österreich. Wir fokussierten uns daher auf Coaching und Auftragsseminare und haben damit guten Erfolg.

 

 

Was war dabei unerwartet für dich?

Unerwartet, aber sehr positiv, war die internationale Ausrichtung unserer Trainings, die durch ein erstes Angebot im Jahr 2009 an das Goethe Institut entstand. Seitdem sind wir ein wichtiger Partner des Goethe Instituts in Bezug auf deren Kulturmanagement Programme.

 

 

Was magst du besonders an der Arbeit mit Kulturschaffenden?

Gerade in der Arbeit mit internationalen Kulturschaffenden freue ich mich immer sehr, dass ich auch etwas lernen kann und es sich um ein Geben und Nehmen handelt. Das Auseinandersetzen mit fremden Kulturen und anderen Marktgegebenheiten ist mir sehr wichtig.

In der Arbeit mit den Coachees ist es toll zu sehen, wie viele unternehmerische Akteure wir auf unserem Markt haben, die mit Leidenschaft und Verstand Existenzen gründen und damit auch unseren Bereich weit nach vorne bringen.

 

 

Am Ende des Interviews wagen wir einen ersten Blick in die Zukunft. Welches sind, deiner Meinung nach, Themen, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden?

Themen die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden, sind meist Themen, die sich schon in den letzten Jahren als wichtig abgezeichnet haben – der Kultursektor ist aber relativ behäbig aus meiner Sicht was Veränderungen angeht, daher glaube ich , dass folgende Themen auch in den nächsten Jahren weiter an Brisanz gewinnen werden:

 Evaluation und Messbarkeit der Kultur:

Das Thema der Messbarkeit ist ein wichtiges Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Nicht alles in der Kultur ist messbar. Trotzdem sollten sich Kulturinstitutionen stärker mit diesem Thema auseinandersetzen, ein einfaches Nein reicht schon lange nicht mehr, um sich vor Evaluationen zu drücken. Das Thema sollte bei den Institutionen als ein Thema der lernenden Organisation ankommen und damit auch einen positiven Wert erhalten.

Finanzierung der Kultur:

Gerade in Deutschland wird das ein zentrales Thema der nächsten Jahre werden. Die unglaublich vielfältige Infrastruktur, die in den letzten Jahrzehnten geschaffen wurde, wird bei den momentanen und zukünftigen Budgets der Kulturbehörden nur schwer aufrechterhalten bleiben können. Daher wird es weiter Diskussionen über die Finanzierung geben müssen und mittelfristig werden auch Entscheidungsmechanismen geschaffen werden müssen, die klar vorgeben, wer warum mit wieviel Geld gefördert wird.

 

 

Dr. Gesa Birnkraut

Gesa Birnkraut studierte an der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg Kulturmanagement und promovierte an der Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, FB Kulturmanagement – Ludwigsburg bei Prof. Dr. Werner Heinrichs zum Thema: Ehrenamtlichkeit in kulturellen Institutionen im Vergleich zwischen USA und Deutschland.

Seit Januar 2004 ist sie Geschäftsführende Gesellschafterin der Kulturmanagement-Beratung BIRNKRAUT|PARTNER.

2005 gründete Gesa Birnkraut das Institut für Kulturkonzepte Hamburg e.V., das Seminare und Coachings im Bereich Kulturmanagement anbietet und eng mit der Beratungsfirma BIRNKRAUT|PARTNER verknüpft ist. Seit September 2011 hat Prof. Dr. Gesa Birnkraut eine Professur für strategisches Management in Non-Profit-Organisationen an der Hochschule Osnabrück in der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Gesa Birnkraut ist zusammen mit Karin Wolf Herausgeberin der Publikationsreihe ›Kulturmanagement konkret‹.

 

Nach diesem Rückblick mit den Leiterinnen der Institute in Wien und Hamburg wenden wir uns ab dem nächsten Artikel der Zukunft zu. Dr. Ursula Soukup wird über den Stellenwert von Serviceorientierung in Kulturorganisationen der Zukunft sprechen.

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