Innovation im ländlichen Raum

Das Büro für Verknüpfungen ist eine der zentralen Stellen Österreichs für Innovation in ländlichen Gebieten. In den letzten Jahren haben sich die Gründer Christof Isopp und Roland Gruber durch Projekte wie ›Zukunftsorte‹, den ›Landinger Sommer‹, die ›Creative Villages Conferences‹ oder auch das neu eröffnete ›Kommunalkonsulat‹ einen Namen gemacht.

Wir haben einen der Gründer, den Architekten Christof Isopp, zum Gespräch getroffen. Wichtig war uns dabei herauszufinden, wie Innovation in Gemeinden entstehen kann und welche Rolle Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft dabei spielt.

 

DIE ZUKUNFTSORTE

Ein Best PracticeBeispiel für die Ankurbelung von Innovation in Gemeinden ist das vom aws geförderte Projekt ›Zukunftsorte braucht das Land‹. Die ›Zukunftsorte‹ sind 12 ländliche österreichische Gemeinden, die bei Zukunftsthemen im ländlichen Raum zu den Vorreitern gehören.

 

Innovative Bildungskonzepte

Moosburg in Kärnten gehört durch ihr Bildungskonzept zu den innovativsten Gemeinden Österreichs: Kindergarten, Grundschule und Hauptschule sind nach dem Campusgedanken zusammen gefasst. Es begann ganz simpel damit, dass die Zäune zwischen den Gebäuden abgerissen wurden und dadurch mehr Kommunikation stattfand. In einer nächsten Stufe wurden Räume bei Bedarf getauscht. Lehrpersonal und Eltern begannen sich mit der Frage auseinander zu setzen, wie der Übergang von einer Bildungsstufe in die Nächste optimal funktionieren kann. In einem moderierten partizipativen Prozess entwickelten die EinwohnerInnen von Moosburg ein Konzept nach dem Gedanken ›Warum sollen Kinder in einen (Schul-)Raum gehen um etwas über die Welt zu hören, wenn sie die Welt selbst entdecken können‹.

 

Die Ziele

Es geht darum Gemeinden zu zeigen, dass sie das Rad nicht neu erfinden müssen, sondern voneinander lernen und bereits erprobte Modelle auf die eigenen Bedingungen adaptieren können.

Weiters ist es wichtig über den eigenen Tellerrand zu schauen. Dafür hat das Büro für Verknüpfungen drei Strategien entwickelt:

  • Der Blick hinaus: Wie machen es anderen Gemeinden?
  • Impulse von Außen: z.B. durch externe ExpertInnen
  • Die ›Ausheimischen‹: Die Ausheimischen sind im Gegensatz zu den Einheimischen Personen, die zwar ursprünglich aus der jeweiligen Gemeinde stammen, aber aus verschiedenen Gründen (z.B. Studium) ihren Lebensmittelpunkt in den urbanen Raum verlegt haben. Genau diese Leute und Impulse brauchen Gemeinden für die Zukunftsentwicklung. Ziel ist es diese Personen wie selbstverständlich in die Gemeindeentwicklung einzubeziehen.

Mit dem Kommunalkonsulat in Wien wurde ein physischer Raum geschaffen, in dem Gemeinden mit ›Ausheimischen‹ in Kontakt treten und bleiben können.

 

workshop im grünen © landinger

workshop im grünen © landinger

 

DIE LANDINGER und der LANDINGER SOMMER

›Landinger‹ sind Menschen, die die Frage ›Stadt ODER Land‹ mit ›SOWOHL ALS AUCH‹ beantworten. Christof Isopp und Roland Gruber verstehen Urbanität nicht als Eigenschaft der Stadt. Vernetztes Denken oder das Schaffen von Freiräumen und Optionen finden auch am Land statt. Landinger suchen nach Inspirationen, wollen die Zukunft aktiv mitgestalten und sind an Ideen und neuen Kontakten interessiert.

Der Landinger Sommer ist ein Projekt, das den Mehrwert von Kultur und Kreativwirtschaft im ländlichen Bereich vorantreibt. Wie wollen kreative Menschen Urlaub machen, war die Ausgangsfrage. InitiatorInnen, KünstlerInnen und Kreative, Gemeindeverantwortlicheund Einheimische versammeln sich – mit ihren Familien – eine Woche im inspirierenden und entspannenden Zukunftsort Hinterstoder. In Workshops, Brainstormings aber auch lockeren Freizeit- und Abendaktivitäten treffen unterschiedliche Blickwinkel aufeinander.

 

Moosburg - Eröffnung der Körperscans des Fotografen K. Hörbst  © Alexandra Grill 2013

Moosburg – Eröffnung der Körperscans des Fotografen K. Hörbst
© Alexandra Grill 2013

 

KREATIVWIRTSCHAFT IM LÄNDLICHEN RAUM

Kreativwirtschaft wird auch in Zukunft ihren Schwerpunkt in der Stadt haben. Viele österreichische Kreative stammen jedoch vom Land oder wollen in Zukunft verstärkt dort tätig werden. Hier knüpft das Landinger-Netzwerk an mit Angeboten für Leute, die einen Fuß in der Stadt und einen am Land brauchen.

Die Rahmenbedingungen
Das Büro für Verknüpfungen hat durch die Erfahrung der letzten Jahren drei Hauptfaktoren erarbeitet, die die Zusammenarbeit mit Kreativschaffenden begünstigen:

  1. Die Akteure, die Raum für Kreative schaffen, können in jeder Gemeinde andere sein. Oft sind es die Gemeindepolitik – oder -verwaltung, oft die Unternehmen. Es kann aber auch eine Gruppe engagierter Einheimischer sein. ›Hinterstoder upgrade‹ ist z.B. eine der treibenden Kräfte in der Gemeinde. Initiiert von einer Gruppe junger Mütter, steht heute ein breiter Querschnitt der Bevölkerung hinter der Initiative,die eine gute Basis für kreatives Arbeiten bildet.
  2. Milieus sind mindestens so wichtig wie Institutionen. Es geht um kleine Veränderungen des Blickwinkels. So kann eine Person in allen umliegenden Gemeinden als Spinner angesehen werden, in der eigenen jedoch einer der Innovatoren sein.
  3. Kleine Projekte stehen am Anfang. Unser Projekt ›Creative in Residence‹ bietet Einheimischen die Möglichkeit sich auf Kunst und Kreativwirtschaft einzulassen. Damit wird eine breite Offenheit in der lokalen Gesellschaft erreicht. Kurt Hörbst war z.B. der letzte ›Creative in Residence‹ in der Gemeinde Moosburg.

Kreative Mileus in Städten entstehen primär nicht durch Planung, sondern durch Dichte. Am Land müssen die Impulse, die in der Stadt an vielen Orten von selbst entstehen, oft gezielt gesetzt werden. Das kann durch Veranstaltungen, Förderungen, Projekte mit aktiver Bürgerbeteiligung oder durch das zur Verfügung stellen von Räumen geschehen (Bsp. Otelo in Oberösterreich)

Gemeinden müssen sich als Impulsgeber sehen und nicht als Vorgebende.

 

Die Zukunftsthemen für den ländlichen Raum sind jedoch klar:

  • Bildung
  • demografischer Wandel
  • Lehrstand und Bauen
  • Mobilität
  • Naturschutz, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

 

Ab Herbst 2014 startet das Institut für Kulturkonzepte in Kooperation mit dem Büro für Verknüpfungen den Lehrgang ›Standortfaktor Kreativität‹ zu Innovationsmanagement bei Kultur- und Kreativprojekten in den Regionen. Bewerbungen sind ab sofort möglich.

 

Foto © Katharina Roßboth

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