Sind die Kulturschaffenden der Zukunft Sozialarbeiter_innen? Sind sie Kulturvermittler_innen?

 ein Beitrag von Matthias Kress

Ja. Und: Ja.

Und – um zu jonglieren:

Was sind Kulturschaffende? Was sind Sozialarbeiter_innen? Was sind Kulturvermittler_innen (auch: „Was ist Kultur?“, „Was ist sozial?“ und „Was ist Arbeit?“)?

Wie bei den Begriffen Kunst und Künstler_innen sind als Grundlage der Diskussion Annäherungen an klar definierte Begriffe wichtig. Doch die Begriffe lassen sich nicht allgemeingültig festlegen – sie sind lebendig in viele Richtungen. Und dort, in vielen Richtungen, finden erneut Re-Definitionen statt.

 

IMPULSE:

KULTURSCHAFFENDE UND KULTURVERMITTLUNG

Geschaffene Kultur braucht immer Begegnung, und damit Ver-Mittlung. Und um es auf die Spitze zu treiben: Selbst wenn ein_e Kulturschaffende_r sich nur für sich selbst mit Kultur beschäftigt oder diese nur für sich selbst schafft, begegnet sie/er sich selbst mit ihrer/seiner Kultur, reflektiert, gegebenenfalls ohne Worte. Selbst-Portraits sind nur ein spontanes Beispiel, eines von unzähligen auch der Ver-Mittlung mit sich selbst.

Auch zum Fokus Sozialarbeiter_in lässt sich schlussfolgern.

SOZIALARBEIT

Kulturelle Begegnung kann Arbeit an sozialen Gefügen sein. Wenn soziale Gefüge einen Nutzen aus der geschaffenen Kultur schöpfen können und dies einen Impuls für Gemeinsames (oder auch für Unterscheidendes im Gemeinsamen) gibt, dann ist das Tun der Kulturschaffenden Sozialarbeit.

Große Chancen bieten sich Kulturschaffenden, in den teilweise zunehmend individualisierten Räumen der virtuellen Gemeinschaft neue soziale Räume, Begegnungs-Räume virtuell – und verbindend real – zu schaffen und zu gestalten, mit neuen Ansätzen.

Also: Ja. Und: Ja. Und in Zukunft sowohl in realen als auch intensiv in virtuellen Räumen.

Definitionen von sozial auf http://www.duden.de [Stand: 15.05.2014] lauten:

  1. das (geregelte) Zusammenleben der Menschen in Staat und Gesellschaft betreffend; auf die menschliche Gemeinschaft bezogen, zu ihr gehörend
  2. die Gesellschaft und besonders ihre ökonomische und politische Struktur betreffend
  3. die Zugehörigkeit des Menschen zu einer der verschiedenen Gruppen innerhalb der Gesellschaft betreffend
  4. dem Gemeinwohl, der Allgemeinheit dienend; die menschlichen Beziehungen in der Gemeinschaft regelnd und fördernd und den [wirtschaftlich] Schwächeren schützend

 

Aufbauend hierauf stellt sich die Frage:

SIND KULTURSCHAFFENDE NICHT IMMER SOZIALARBEITER_INNEN UND KULTURVERMITTLER_INNEN?

Und da es (hoffentlich, es lebe der Diskurs) auch andere Sichtweisen bezüglich der Situation in der Zukunft gibt, sei Alan Kay zitiert:

“The best way to predict the future is to invent it.” (Die beste Methode die Zukunft vorherzusagen besteht darin, sie zu erfinden.)

Eine Chance für alle Kulturschaffenden, Sozialarbeiter_innen, Kulturvermittler_innen.

 

KULTUR UND KREATIVWIRTSCHAT:

SIND KULTURSCHAFFENDE DER ZUKUNFT AUTOMATISCH KULTUR-UNTERNEHMER_INNEN?

Das Schaffen von Kultur ist nicht zwangsweise mit dem Schaffen von wirtschaftlichem Mehrwert verbunden. Die kurze Antwort lautet daher: Nein. Nicht automatisch.

Falls jedoch der Begriff Unternehmer_in entkoppelt wird vom Schaffen eines Mehrwerts, der in messbaren Gütern gemessen wird, dann sehr wohl. Im Sinne von künstlerische Unternehmung.

Und:

Strukturiertes Annähern – im Sinne eines klassischen unternehmerischen Denkens – kann in kulturellen Bereichen Mehrwert schaffen. Hier liegen unternehmerische Chancen – und damit wiederum auch kultureller Mehrwert.

 

DIE KÜNSTLERiNNEN DER ZUKUNFT:

VOM 3D-DRUCKER BIS HIN ZUR AG? KANN MAN ÜBERHAUPT „NUR“ KÜNSTLERiN SEIN?

Eine Antwort ist: Selbstverständlich. Sich im künstlerischen Prozess nicht um die Schaffung materiell messbaren Mehrwertes zu kümmern, wird trotzdem reichhaltiges künstlerisches Schaffen zulassen.

Eine andere Antwort: Diese Frage stellt sich, wenn überhaupt, nicht nur in Bezug auf die Zukunft. Künstlerisches Tun und unternehmerisches sind nicht per se gekoppelt. Es sind zwei Bereiche, die Berührungspunkte, Überschneidungen, Synergien haben können – doch nicht müssen. Weder bisher noch in Zukunft.

 

Anmerkung: In der Schreibweise nutze ich hier den Unterstrich im Sinne des ‚gender-gap’. Ein Ziel der Nutzung des ‚gender-gap’ ist, Sprache in dem Sinne zu verändern, dass sich Selbstverständlichkeit bildet im Einbeziehen aller geschlechtlicher Identitäten.

 

Impulse hierfür unter:

S_HE (2003): Performing the Gap. Queere Gestalten und geschlechtliche Aneignung. http://arranca.org/ausgabe/28/performing-the-gap

[Stand: 15.05.2014]

dieStandard.at GmbH (2008): Raum für _!.

http://diestandard.at/1224776349439/GenderSprache-Raum-fuer-_

[Stand: 15.05.2014]

http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Gap_%28Linguistik%29

 

Matthias Kress ist Trainer / Coach für Führungskräfte und Dozent, Moderator für Großgruppenprozesse und Schauspieler.

Für die Institute für Kulturkonzepte in Hamburg und Wien seit 2004 als Dozent tätig.

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