CREATIVE EUROPE?

Das neue EU-Programm Creative Europe wurde mit Spannung erwartet. Viele Hoffnungen wurden daran geknüpft. Doch in den ersten Monaten nach Veröffentlichung der Projektantrags-Richtlinien erhitzten sich viele Gemüter und das Programm wurde aus verschiedenen Blickwinkeln intensiv diskutiert.

Wollen wir aktiv unsere Zukunft gestalten, müssen wir uns zwingendermaßen mit den Entwicklungen auf europäischer Ebene auseinander setzen. Diese beeinflussen direkt und langfristig die Entwicklungen im nationalen und regionalen Umfeld. Wir haben darüber mit unserer Dozentin Sylvia Amann gesprochen.

Sylvia Amann ist langjährige Expertin für die Europäische Kommission im Bereich der inter-regionalen Kooperation, digitaler Content und für verschiedene Aktionsprogramme. Die studierte Kommunikationswissenschaftlerin beschäftigt sich seit 1995 mit EU-Förderungen und -Politik – zuerst auf regionaler Ebene und dann als Projektleiterin bei Culture Action Europe in Brüssel. Im Jahr 2000 gründete sie ihr Unternehmen inforelais – eine Unternehmensberatung in den thematischen Feldern Stadt- und Regionalentwicklung, Kreativwirtschaft und EU-Förderungen.

In den nächsten Wochen und Monaten werden viele AntragstellerInnen bereits eine Förderzu- oder Absage erhalten. Viele sehen das Programm als zukunftsträchtige Innovation, als Chance! Andere sprechen von einer Ökonomisierung der Kultur, von Gefahren für eine ›freie‹‘ Kulturproduktion und das Künstlerdasein. Das mit dem neuen Namen auch eine grundlegend neue Ausrichtung mit einhergeht, darüber sind sich aber alle einig.

 

WAS SIND DIE WICHTIGSTEN NEUERUNGEN IM PROGRAMM ›CREATIVE EUROPE‹?

Es gibt vier große Neuerungen im Programm Creative Europe:

1. Ergänzende thematische Ausrichtung

Es gibt eine klare Öffnung in Richtung Kreativwirtschaft > somit gibt es neue AkteurInnen in diesem Programm.

Die Verwertbarkeit von Kunst und Kultur, bzw. Teilaspekten davon, wird stärker betont.

2. Der Teil Audiovisuelle Medien ist auch Teil des Creative Europe

3. ›Publikumsentwicklung‹ ist ein zentrales Schlagwort

Sein Publikum zu kennen und zu erreichen ist in der Kultur, wie auch der Kreativwirtschaft ein entscheidender Faktor zum Erfolg. Mehr KundInnen oder BesucherInnen bedeutet natürlich mehr Einnahmen. Das Programm betont aber auch den sozialen und gesellschaftlichen Auftrag Teilhabe an Kultur zu ermöglichen. Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang Vermittlungsprojekte, die darauf abzielen kulturferne Publikumsschichten zu erreichen (z.B. Lehrlinge für Museen zu begeistern)

Das Programm macht auch bewusst, dass Europa in einem internationalen Kontext gesetzt werden muss – die Öffnung zu Staaten der Nachbarschaftspolitik ist die Folge. So gab es bisher Drittstaaten-Calls > jetzt sind Drittstaaten in Kooperationsprojekte drinnen und somit vollständige Partner.

4. Technisch Neuerungen

Technische Neuerungen bei den Projekteinreichungen sind eine Entwicklung, die wir in allen Sektoren gleichermaßen verfolgen können

In der Programmausrichtung gibt es einen klaren Trend hin in Richtung Digitale Welt

Operativ gibt es auch eine Neuerung: Alle Antragstellungen wurden digitalisiert

 

WAS SIND DIE AUSWIRKUNGEN DES NEUEN PROGRAMMS?

Die Kreativwirtschaft wird mit dem neuen Programm noch mehr in den Fokus gerückt, u.a. auch im ländlichen Raum, in dem bereits international sehr viel passiert.

Wir können auch feststellen, dass die Prozesse der Antragstellung immer formalisierter werden. Dies ist sicherlich auch eine Nebenwirkung der Budgetsituation.

Weiters müssen wir uns bewusst sein, dass wir in einer Welt der Faktenbasierten Politik leben. Das heißt, dass die Messbarkeit des Erfolgs immer wichtiger wird. Das resultiert einfach daraus, dass all jene, die sich für Kulturbudgets einsetzen für die Budgetabteilungen und FinanzministerInnen Fakten brauchen, um ihre Argumente untermauern zu können. Eines der aktuellen dringlichsten Probleme der EU ist die Jugendarbeitslosigkeit. Wenn Projekte es schaffen z.B. aufzuzeigen, in wie fern sie einen Mehrwert schaffen, um dieses Problem zu beheben und das auf der Grundlagen von evaluierten Fakten argumentieren können, fallen sie in diese Logik. Diesen Ansatz nennt man ›evidence based policy‹.

 

WAS BEDEUTET DAS FÜR KUNST UND KULTUR?

Damit kommen wir zu einer Frage, die teilweise schon fast ein bischen ›unsexy‹ geworden ist: Warum ist Kunst und Kultur wichtig? Welche Bedeutung hat Kunst und Kultur in unserer Gesellschaft und wie können wir ihren Erfolg messen? Wir Kulturschaffende sind uns einig darüber, dass Kunst und Kultur entscheidend für die Weiterentwicklung einer mündigen Gesellschaft ist. Wir müssen aber ›evidence based‹ Argumentationen entwickeln, damit diese Aussage auch vor der Politik und kulturfernen Schichten Stand hält.

Wenn wir über europäische Kulturpolitik sprechen, dürfen wir nicht vergessen, dass sie von den von uns gewählten VertreterInnen gemacht wird. Brüssel ist irgendwie überall, aber doch fern. Die Entwicklungen betreffen uns aber unmittelbar und langfristig und unsere gewählten PolitikerInnen arbeiten an den Förderprogrammen mit! EU-, nationale und regionale Ebene sind eng miteinander verbunden.

Einige Beispiele, um dies zu verdeutlichen:

Aus österreichischer Sicht hat Dr. Josef Ostermayer als Bundesminister für Kunst und Kultur das letzte Wort. Doch auch das EU-Parlament hat einen Kulturausschuss. Österreich war bis zu den Parlamentswahlen 2014 durch Hans Peter Martin vertreten. Dieses EU-Parlament ist ein sehr mächtiges Instrument. Ohne seine Zustimmung kommen keine Förderentwürfe auf den Tisch.

Zudem gibt es den Ausschuss der Regionen, in denen österreichische VertreterInnen aus Landesebene dabei sind.

 

Das heißt: Auf welcher Ebene wir auch wählen – es hat Auswirkungen auf die Entscheidungen in der EU. Dies ist wichtig bei Wahlen zu bedenken und die Wahlmöglichkeiten daher wahr zu nehmen. Auch wenn wir uns als Einzelne vielleicht nicht als wichtig empfinden im großen Rad Europa, so ist es v.a. auch für Verbände wichtig aufzuklären.

 

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