KULTURVERMITTLUNG IN JEDEM SINNE KRITISCH UND REFLEKTIERT

 

Welche Entwicklungen sind in der Kunst- und Kulturvermittlung zu beobachten und wie wird sich das Berufsfeld der Kunst- und KulturvermittlerInnen in Zukunft verändern? Wir haben dazu mit unserer Dozentin Andrea Zsutty gesprochen, selbständige Kunst- und Kulturvermittlerin in verschiedenen Ausstellungshäusern und Museen, sowie Redakteurin für ORF TV-Formate.

 

TENDENZEN IN DER KUNST- UND KULTURVERMITTLUNG

In den letzten 10 Jahren gab es eine Intensivierung der Diskussion zu den Aufgaben und der inhaltlichen Ausrichtung der Kunst-/Kulturvermittlung. In diesem Zusammenhang stellen sich Fragen nach der AutorInnenschaft, der SprecherInnenfunktion, dem Gegenüber („Audience“) und seinem kulturellen Hintergrund. Einigkeit herrscht im Berufsfeld darüber, dass Kulturvermittlung in jedem Sinne kritisch und reflektiert sein muss: selbstkritisch, institutionskritisch und zielgruppenkritisch. Begriffe wie Kommunikation, Pädagogik, Bildungsarbeit, Partizipation und Selbstermächtigung sind daher wesentlich in den Diskurs eingebunden.

Nach dem Motto: „Kunst und Kultur für alle“ wurde 2009 das Projekt „KulturlotsInnen“ als Brücke zwischen ArbeitnehmerInnen und Wiener Kunst-/Kulturinstitutionen vom Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung (VÖGB) konzipiert. Ziel ist es, Barrieren zwischen ArbeitnehmerInnen und Kulturinstitutionen abzubauen, den ArbeitnehmerInnen ein möglichst breites Kulturangebot zu erschließen und damit die Demokratisierung von Kunst und Kultur voranzutreiben. Die „KulturlotsInnen“ treten mit den ArbeitnehmervertreterInnen in Kontakt und erstellen mit ihnen gemeinsam maßgeschneiderte Kulturangebote, organisieren Führungen in Museen und Ausstellungen, Theaterabende, Konzertbesuche. http://www.kulturlotsinnen.at

Ein weiteres Beispiel ist das Edgware Road Project im Centre for Possible Studies in London. Die Serpentine Gallery bringt in diesem Projekt Künstler, Anwohner, Ladenbesitzer und andere Interessierte rund um die Edgware Road in Form von öffentlichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen zusammen. Feste Vorstellungen von Wissen, von dem, was gelernt und gelehrt werden muss werden gebrochen, hinterfragt und neu verhandelt. http://www.serpentinegalleries.org/about/Projects

 

ENTWICKLUNGEN IM BERUFSFELD DER KUNST- UND KULTURVERMITTLERIN

Derzeit findet man bereits KulturvermittlerIn, KuratorIn und/oder KünstlerIn in einer Person vereint bzw. an allen drei Schnittstellen arbeitend. Kunst- und KulturvermittlerInnen müssen heute und zukünftig neben ihrer fachlichen Kompetenz in der Lage sein, interdisziplinäre zu denken und zu handeln, um auf die Veränderungen gesellschaftlicher und kultureller Rahmenbedingungen reagieren zu können. Sie müssen über Managementqualitäten verfügen, denn wirtschaftliches Denken und strategische Planung bilden, gepaart mit der Sensibilität für künstlerisch-kulturelle Prozesse, die Grundpfeiler für die Formulierung von Zielsetzungen und das Erstellen von Qualitätskriterien.

Ein zukünftig immer wichtigeres Thema wird die Frage nach dem Umgang mit kultureller Diversität: Sei es in Bezug auf die Herkunft der KünstlerInnen beziehungsweise auf die der Kunst-/KulturvermittlerInnen, im Hinblick auf die Wahl der Themen, der Form ihrer Gestaltung oder der Orientierung an verschiedenen Zielgruppen. (Hinweis: Die 2011 erschienene Studie „Voneinander lernen – Kunstvermittlung im Kontext kultureller Diversität“ von Wiebke Trunk beschäftigt sich mit aktuellen kultur- und entwicklungspolitischen Diskursen um kulturelle Bildung).

 

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