KREATIVE LEBENSMODELLE IM REGIONALEN RAUM

Dietmar Baurecht ist seit 11 Jahren Leiter der Kreativwirtschaft Burgenland in der Regionalmanagement Burgenland GmbH. Nach Christof Isopp haben wir einen weiteren Spezialisten für regionale Entwicklung in Zusammenhang mit Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft getroffen und mit ihm über zukünftige Trends im ländlichen | regionalen Bereich gesprochen.

 

Man spricht von Megacities der Zukunft. Der Trend geht in die Richtung, dass Menschen von ländlichen Gebieten in die Städte abwandern. Städte, wie auch Gemeinden und Regionen stehen dadurch vor großen Herausforderungen. Wie gehen die regionalen Strukturen im Burgenland mit der Abwanderung um? Welche Rolle kann dabei Kultur spielen?

Die Entwicklung hin zu immer größer werdenden Städten ist nicht aufhaltbar. Wir sind uns im ländlichen Bereich durchwegs darüber im Klaren. Junge Menschen, vor allem während oder nach dem Studium, ziehen in die Städte und bauen sich dort ihre eigene Existenz auf. Es ist aber auch so, dass manche auch wieder zurückkehren. Sie bringen Know how mit, das in dörflichen Strukturen durchaus gefragt sein sollte. Kreativwirtschaft ist in vielen Bereichen für mich ganz nahe am Menschen dran und hat Potential Gemeinden neben der Natur, dem Abstand zu den Ballungsräumen auch den Vorteil innovativer Ideen und gesellschaftspolitischer Ansätze für ein gemeinsames Zusammenleben zu bringen.

Dörfliche Strukturen funktionieren anders als städtische. Hier kann man Außenseiter aber mit seinen Ideen zugleich auch integrativer Bestandteil der Dorfbevölkerung sein. Es menschelt mehr und es funktioniert alles persönlicher. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man das Dorf oder das Land als Refugium auswählt.

Es gibt Menschen, die die Vorteile des ländlichen Bereichs schätzen: Günstigeres Wohnen und das Bedürfnis dem Trubel zu entfliehen, locken die jüngeren Generationen auch wieder auf das Land. Vor allem sind es dann die eigenen Kinder, denen Mann oder Frau ein Aufwachsen in der Natur ermöglichen möchte. Es ist zwar ein Bild von einem ganzkörperlich gesünderen Leben, das junge Leute antreibt mit ihren Kindern aufs Land zu ziehen, die Romantik hört aber dann auf, wenn jungen Familien die Infrastruktur oder die Bildungseinrichtungen fehlen.

Besonders auffällig ist in den letzten Jahren ein starker Trend zu regionalen Produkten. Es geht weniger darum, dass Lebensmittel mit dem Hinweis auf Bio gekennzeichnet sind. Vielmehr geht es darum, dass die Menschen genau wissen wollen aus welcher Region oder aus welchem Ort die Produkte stammen. Es geht vielmehr um die regionale Wertschöpfung, die man im Auge hat und davon kann der ländliche Raum profitieren. Den Apfel beim Bauern ums Eck kaufen oder in Tauschgeschäften Birnen gegen den Rasenmäher verborgen. Es geht hier auch um kreative Lebensmodelle. 

Ich glaube auch, dass „Sharing-Konzepte“  im regionalen Raum mehr und mehr Gestalt annehmen. Braucht jeder einen Rasenmäher? Kann man nicht auch gemeinsame Anschaffungen tätigen?

 

Bin ich im kreativen oder kulturellen Bereich tätig – was bedeuten diese Entwicklungen genau für mich?

Im Burgenland sind Coworking-Spaces, die zur Vernetzung im Kultur- und Kreativwirtschaftsbereich wichtig sind, noch nicht weit gediehen. Ich glaube, dass das auch im Burgenland vermehrt Fuß fassen wird. Wenn eine Modemacherin mit einem Grafiker zusammenarbeitet und auch Veranstaltungen im Geschäft oder in Kooperationen gemacht werden, hat das Sinn und spricht für diesen Weg.  Ein schönes Beispiel aus dem Burgenland ist www.87er.com

Das Netzwerk ist neben der eigenen Qualität, die man in seinem Berufsfeld und der Authentizität, die man in dem Tun und Handeln erworben hat, die beste Grundlage. Schuhmacher sind zwar eine aussterbende Spezies, aber:  Heute wie auch Früher wäre man zu keinem Schuhmacher gegangen, der ausgesehen hätte wie ein Optiker. Gewisse Dinge ändern sich eben nicht. Und so ist es auch mit dem persönlichen Kontakt. Treffen, Reden und Handeln und das ist in der Stadt wie auch am Land das gleiche, um seine Ideen umsetzen zu können.

 

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