Kultur ist kein Zeitvertreib. – Alumni Jochen Schmidtberger

Dieses Motto, auf der Hinterbühne des Stuttgarter Theater Rampe im Jahr 2010 groß über den Garderobenzugängen hängend, hat mich weit über jene Zeit als Regieassistent an der „Rampe hinaus geprägt und meine Wahrnehmung fürs Theater nachhaltig verändert. Als Aufforderung und Mahnung zugleich, erinnert es mich, nie die Lust am Machen zu verlieren, aber gleichzeitig auch darauf zu achten: Wo stehen wir gerade, was passiert um uns herum?

 

Der Wunsch, am Theater zu arbeiten, hat mich allerdings erst spät gepackt. Über den Umweg einer technisch-naturwissenschaftlich geprägten Schulbildung, der Arbeit als Fotograf und als Musik- und Kulturjournalist, hat mich die Freude, Neues zu lernen, vor einigen Jahren ans Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaften geführt, wo ich derzeit an meiner Abschlussarbeit zum Thema Helden im zeitgenössisch österreichischem Theater schreibe.

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Stückrecherche © theatermeer.at

AUFGABE VON KUNST IST ES, CHAOS IN DIE ORDNUNG ZU BRINGEN. (Theodor W. Adorno)

Auch mein beruflicher Werdegang stellt sich als bunte Anhäufung verschiedenster Stationen und Erfahrungen dar, wobei Technik und künstlerisches Interesse keinesfalls einen Widerspruch darstellen. Gerade die Synthese von Natur- und Geisteswissenschaft sind es, die meinen Drang, neue Erfahrungen zu sammeln, unentwegt befeuern.

 

Zu meinen schönsten Erfahrungen zählt die Tourbegleitung der Tiroler Festspiele Erl nach Peking (chinesische Erstaufführung von „Tristan und Isolde“ und „Die Meistersinger von Nürnberg“)  und Shanghai („Der Ring des Nibelungen“ in 24 Stunden) im Herbst letzten Jahres in der Doppelfunktion als Inspizient/Regieassistent und Co-Leiter des künstlerischen Betriebsbüros. Die Kommunikation über kulturelle Unterschiede hinweg, war eine der spannendsten Aufgaben während dieser Zeit. Als  Schnittstelle und Anlaufpunkt sowohl für SängerInnen als auch für die OrganisatorInnen vor Ort waren kreatives Denken und Lösen von kleinen und großen Herausforderungen rund um die Uhr an der Tagesordnung. Doch jener Augenblick in Shanghai, nach dem Schlussapplaus die glücklichen Augen der Menschen im Publikum, der SängerInnen und MusikerInnen und den vielen anderen Mitwirkenden zu sehen, ist etwas, woran ich mich immer gerne erinnern werde.

 

UND DIE FUNKTION VON KUNST BESTEHT FÜR MICH DARIN, DIE WIRKLICHKEIT UNMÖGLICH ZU MACHEN. (Heiner Müller)

Theater ist für mich mehr als das Inszenieren von Szenen und Texten.

Die Fragen: „Was wollen AutorInnen und RegisseurInnen erzählen?“, „Was geben sie von sich und ihrer Lebensrealität preis?“ und „Welche Schlüsse können wir für die Gegenwart daraus ziehen?“, beschäftigen mich sowohl beim Lesen als auch beim Ansehen eines Theaterstücks oder einer Oper.

Dabei lasse ich mich gerade beim Lesen eines Stückes stets von meiner Neugier und der Frage: „Was möchte mir dieser Text erzählen?“, leiten. Ich bin jedes Mal aufs Neue überrascht, wie meine Wahrnehmung sich von Zeit zu Zeit verändert, welche Punkte mir heute wichtig erscheinen und warum andere Punkte in den Hintergrund treten. Immer dem Grundsatz folgend, unvoreingenommen zu lesen, mich ganz auf das Geschriebene zu konzentrieren und erst nach erfolgter Lektüre nach möglichen Antworten zu suchen.

 

DIE ZEIT VERWANDELT UNS NICHT, SIE ENTFALTET UNS NUR. (Max Frisch)

Mit der Freude im Gepäck, Theaterprojekte auch organisatorisch zu unterstützen, entschied ich  mich 2014 zum Besuch der Sommerakademie für Kulturmanagement. Besonders wichtig waren für mich die Bereiche Marketing und Social Media und die rechtlichen Aspekte, mit denen gerade freie Kulturschaffende tagtäglich zu tun haben.

Geschichtenerzählung_theaterwagen

Märchenlesung in Kottingbrunn 2015 ©theater-wagen.at

VOM ENDE ZURÜCK ZUM ANFANG – KULTUR IST KEIN ZEITVERTRIEB

Dieses Motto begleitet mich auch bei meiner Arbeit als Dramaturg für den theater-wagen, einer Wanderbühne und Interventions-Plattform auf Reisen, vollgepackt mit Geschichten von und für Menschen, die dem theater-wagen auf seiner Tour begegnen.

Hinsehen, ins Auge fassen, Fragen stellen. Mit dem theater-wagen haben wir als mobile Gruppe die höchst spannende Möglichkeit, auf lokale Geschichten und Themen in einer humorvoll niederschwelligen Art einzugehen, in unsere Arbeit einfließen zu lassen um unserem Publikum einen vergnüglichen Abend zu schenken.

 

Das Lachen ist nichts anderes als ein wetterleuchtendes Aufblitzen der Seelenfreude, ein Aufzucken des Lichtes nach draußen, so wie es innen strahlt. (Dante Alighieri)

 

 

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