„Warum gehen wir nicht ins Theater?“  – Absolventin Daniela Zizic

Daniela Zizic in the MuTh

@ Astrid Stöger

„Warum gehen wir nicht ins Theater?“ Antwortete ich unserer Professorin vor Jahren in der Schule, als sie nach möglichen gemeinsamen Aktivitäten fragte. Theater und Bücher, Bücher und Theater – waren von je her meine Wegbegleiter und es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis einer der beiden Begleiter auch ein beruflicher wurde.

Ich bin durch viele Jobs gegangen, angefangen als Buffetkraft im Hotel Sacher, dann Rezeptionistin und später auch als Night Managerin in renommierten Wiener 5* – Sterne Hotels. Aber ich wurde unruhig – wollte was Neues sehen und erleben. Die Sehnsucht nach dem Reisen, der Ferne, dem Neuen verschlug mich 2004 als Passenger Service Agent zu Austrian Airlines am Flughafen Wien. Zwischen Check-in, Boarding, Umbuchungen, Gepäckskontrollen usw. stillte ich mein Fernweh, lernte andere Länder und deren Kulturen kennen. Sechseinhalb Jahre war ich dann am Flughafen tätig. Als dieses Fernweh gestillt war, die Schichtdienste, dass frühe Aufstehen, die lauten Hallen und alles was zum „Flughafenleben“ gehörte, zu viel wurden, suchte ich eine neue Herausforderung. Ich wollte mich verändern sowohl beruflich als auch privat. Ich wollte vor allem die geistige Herausforderung und begann im Herbst 2010 an der Universität Wien Vergleichende Literaturwissenschaften zu studieren. Der Literatur- oder der Kulturbetrieb war mein neues Ziel. Das Studium meine Tür zu dieser Welt.

Am 09. Dezember 2012 eröffnete im Wiener Augarten das MuTh-Konzertsaal der Wiener Sängerknaben. Und es bot nicht nur den Sängerknaben einen Ort sich zu entfalten, sondern auch mir. Nach langer Suche und vielen Bewerbungsgesprächen war es dann im Mai 2013 soweit. Ich bekam eine Stelle an der MuTh – Kassa. Endlich! Geschafft! Die Tür in die Welt der Künstler, Kunstschaffenden, der Phantasie und der Vielfalt öffnete sich.

MuTh Konzertsaal

© Helmuth Karl Lackner

Der Konzertsaal bietet den Wiener Sängerknaben ein musikalisches Zuhause. Seit vielen Jahren bauen die Wiener Sängerknaben mit ihren Auftritten eine Brücke zwischen den Kulturen. Die Idee ist es, den Wiener Sängerknaben eine Stätte zu geben, wo sie ihrer Kreativität und ihren Ideen freien Lauf lassen können. Aber nicht nur die Wiener Sängerknaben nutzen das MuTh als ihr Zuhause. Mittlerweile sind neben jungen aufstrebenden Künstlern, Studierenden der mdw oder des MUK, auch renommierte Künstlerinnen und Künstler wie Volkhard Steude, Franz und Matthias Bartolomey, Gottlieb Wallisch, Timna Brauer, Agnes Palmisano im MuTh zuhause. Vereine wie der Kulturmittag, das Wiener Kindertheater spielen ihre Produktionen regelmäßig bei uns. Von Kammermusikalischem, Jazzigem, Lesungen, Symposien und szenischen Produktionen ist alles vertreten. Das MuTh verbindet, wie schon seit Jahren die Wiener Sängerknaben, eine Brücke zwischen Jung und Alt, Klassik und Moderne, Ausstellungen und Lesungen, und am wichtigsten eine Brücke zwischen Publikum und Künstlern. All dies soll mit einander einher gehen beziehungsweise mit einander verbunden werden. Eine Verbindung, die schon mit der Architektur des Hauses beginnt: das neue, hochmoderne Gebäude schmiegt sich an das alte Pförtnerhaus, dass schon seit ewigen Zeiten im Augarten (be)steht.

Nun ich begann, wie schon erwähnt, an der Kassa zu arbeiten. Ich nahm telefonische und schriftliche Reservierungen entgegen, verkaufte Karten an der Tages- und Abendkassa. Von Jahr zu Jahr wuchs das Haus, die Aufführungen wurden mehr und somit auch die Aufgaben für das zu Beginn doch noch recht kleine Team. Ich übernahm den Versand des Newsletters, betreute gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen an der Kassa unsere Abonnentinnen und Abonnenten. Auch die Nachfrage nach Kooperationen begann und so wuchs schön langsam unser Marketing-Team heran. Ich konnte von Beginn an viel berufliche Erfahrung einbringen vor allem im Umgang mit unseren Besucherinnen und Besuchern, aber mit Marketing hatte ich noch gar nichts zu tun. Ja, Ideen waren und sind noch immer viele da, aber war das, was ich tat wirklich Marketing? Wie strukturiert man seine Ideen und Projekte richtig?

Ich begann mit dem Zertifikatslehrgang Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte zu liebäugeln und meldete mich im Oktober 2015 dafür an. Er half mir zu sehen, ob ich den richtigen Weg gehe und die Aufgaben richtig meistere. Ich wollte mich wieder einmal weiterentwickeln, was Neues lernen. Der Zertifikatslehrgang Kulturmanagement bietet nicht nur die Möglichkeit sich mit beruflichen Zielen, Ideen und Berufswegen zu beschäftigen, sondern auch mit sich selbst. Jedes Seminar verließ ich voller Energie, immer mit der Bestätigung, dass der Lehrgang und berufliche Weg in die Kulturlandschaft einer der besten Entscheidungen waren und auch weiterhin sein werden.

Letztes Jahr übernahm ich dann von meiner Kollegin, die in Karenz ging, die Leitung des Bereiches Ticketing. Ich bin für die Anlage von Veranstaltungen im Ticketsystem zuständig, stehe im Kontakt zu Veranstaltern und Künstlern, koordiniere das Kassateam und unterstütze meinen Kollegen in der Leitung des Publikumsdienstes. Gemeinsam mit dem Marketingteam kümmere ich mich weiterhin um Kooperationen und die höchstmögliche Auslastung unserer Veranstaltungen. Es sind mittlerweile über 300 in der Saison, mit einer Auslastung von ca. 65%.

Ein Hauptaugenmerk des Hauses sind die szenischen Produktionen der Wiener Sängerknaben. Kinderopern sollen Kindern und Jugendlichen nähergebracht werden. Damit beschäftigte ich mich auch während meines Lehrganges. Mit der Vermittlung unseres Hauses als Spielstätte für Kinder und Jugendliche. Aufgrund dessen bekam ich die Möglichkeit auch ein Seminar zu Kulturvermittlung im Rahmen des Lehrganges zu besuchen. Die Idee die daraus entstand, wollen wir ab Herbst umsetzen: Führungen hinter die Kulissen unseres Hauses, das MuTh erleben. Sei es in der Direktion, in der Technik, an der Kassa oder in der Garderobe. Kinder sollen Theater haptisch, spielerisch, aktiv und kommunikativ erleben.

Muth5

Und noch etwas Besonderes bringt das Jahr 2017: Das MuTh wird 5! Das feiern wir mit einem Geburtstagsfest am 9. Dezember 2017, einer Ausstellung, Konzerten sowie einer Dokumentation auf ORF 2! Wir freuen uns auf Alle, die mit uns feiern!

Abschließen möchte ich meinen Beitrag mit einem Zitat von August Strindberg: „Die ganze Kultur ist eine große, endlose Zusammenarbeit“. Sie soll bitte groß und endlos bleiben. Es sollen auch weiterhin wunderbare, kreative und interessante Menschen aufeinandertreffen und es soll weiterhin eine Zusammenarbeit voll Kreativität, Phantasie und Herausforderung bleiben.

Bleibt und werdet MuThig! Bis bald im MuTh!

Weiterführende Informationen:

Besuchen Sie unsere Website: www.muth.at

Gespräch im Atelier: unser Atelier mit Blick in den wunderbaren Augarten bietet Raum für bis zu 60 Personen. Es steht allen Studierenden, Vortragenden und Interessierten für Seminare, Lesungen, Diskussionen zur Verfügung. Anfragen an: elke.hesse@muth.at

 

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