Business as usual? Das Kulturmanagement Forum 2017

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Foto: Corinna Eigner

„Einmal im Jahr gönnt sich das Institut für Kulturkonzepte das Kulturmanagement-Forum“, sagt Karin Wolf, Direktorin des Instituts, gleich zu Beginn des Forums, schließlich ermöglicht es allen Anwesenden über aktuelle Themen des Kulturbetriebs zu sprechen, sich auszutauschen und Netzwerke zu pflegen.

Eines der brennenden Themen unserer Zeit ist die zunehmende Digitalisierung und die damit verbundene Geschwindigkeit, in der sich Neuerungen einstellen. Für Ruth Goubran, Sponsoring-Verantwortliche bei der Erste Bank Group AG, bedeutet dies sich ständig weiterzuentwickeln und die Bereitschaft jeden Tag aufs Neue zu lernen. „Es geht um die Gestaltung des Wandels“, erklärt Goubran und meint damit, dass Kulturbetriebe Änderungen und Neuerungen aktiv mitgestalten sollen. Das passiert auch auf sprachlicher Ebene. Durch – mehr oder weniger – neue Apps wie Snapchat und Instagram, die beide visuell ausgerichtet sind, verändert sich das Kommunikationsverhalten zunehmend. Ein Kulturbetrieb muss auf diese Änderungen adäquat eingehen und prüfen, wie Inhalte nun anders transportiert werden können. Zugleich, warnt Goubran, darf der Dialog mit dem Publikum jedoch nicht banalisiert werden. Es bedarf demnach weiterhin einer anspruchsvollen Kommunikation, die den Austausch zulässt und Räume eröffnet, innerhalb derer nachgedacht werden kann.

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Ruth Goubran, Foto: Corinna Eigner

Caren Ohrhallinger, vom Architekturbüro nonconform, hat sich gemeinsam mit ihren KollegInnen genau dies zum Ziel gesetzt: Räume eröffnen, Austausch zulassen, Diskutieren erwünscht. Ein wesentlicher Aspekt hinter jeder planerischen Entscheidung ist der Dialog mit jenen Menschen, die es vor Ort betrifft. Durch die partizipative Herangehensweise haben BürgerInnen die Möglichkeit ihren Gedanken und Emotionen zu einem Bauprojekt Raum zu geben und sich sowohl persönlich als auch anonym zu äußern.

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Caren Ohrhallinger, Foto: Corinna Eigner

Während bei dem Beispiel von nonconform die persönliche Beschäftigung auf Augenhöhe eine Rolle spielt, agiert ein Teil der Agentur art:phalanx auf einer rein virtuellen Ebene. So macht Clemens Kopetzky deutlich, wie wichtig es als Kulturbetrieb ist, auf das aktuelle Kommunikationsverhalten einzugehen. Kulturbetriebe werden zunehmend mit einer Generation konfrontiert, die damit aufgewachsen ist, mit Dingen interagieren zu können, indem sie sich über digitale Medien austauschen und mit Hilfe von Augmented Reality die Grenze zwischen digital und analog verflüssigt wird. Ein Beispiel, um auf diese neue Interaktionsweise einzugehen, ist die Musikplattform fidelio. Hier gibt es klassische Musik ausschließlich als Streamingangebot. Der Mehrwert? Häuser, wie die Staatsoper, haben die Möglichkeit ihr Angebot ansprechend zu platzieren. UserInnen haben die Möglichkeit mittels modernster Technik und intuitiven Vorgehen genau jenes Angebot zu finden, das sie suchen.

Ein weiteres erfolgreiches Beispiel ist die digitale Kulturvermittlung von Gemälden, konkret jenes des Kunsthistorischen Museums Wien, das 100 Meisterwerke virtuell zugänglich macht. Das Besondere daran ist das dahinterliegende Storytelling, das die Geschichten, die hinter dem einzelnen Werk stehen, für UserInnen zugänglich und begreifbar macht. „Es eröffnet sich dadurch ein großes Spektrum an Möglichkeiten“, verdeutlicht Kopetzky und nennt beispielsweise den niederschwelligen Zugang, den erweiterten Erfahrungsraum und das Potential für kleinere Institutionen, die zum Beispiel relativ kostengünstig auf ihre aktuelle Ausstellung verweisen können.

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Clemens Kopetzky, Foto: Corinna Eigner

An diese Überlegungen schließt Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des MAK an. Er und sein Team setzen bei der Kunstvermittlung auf eine ganzheitliche Kommunikation, die verschiedene Kanäle bespielt und damit auch verschiedene Generationen zusammenbringt. So versucht das MAK sowohl in analogen Workshops Menschen zur Diskussion anzuregen, als auch durch den Einsatz von Virtual Reality ein jüngeres Publikum zu erreichen.

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Christoph Thun-Hohenstein, Foto: Corinna Eigner

All die genannten Best Practice Beispiel verdeutlichen, dass auch im Kulturbetrieb die zwischenmenschliche Kommunikation weiterhin den höchsten Stellenwert einnimmt. Ergänzt werden muss dies jedoch mit der Einbindung digitaler Möglichkeiten, die neue Räume eröffnen und den Austausch mit vor allem jüngeren Zielgruppen fördern und fordern.

Alle Infos zu den im Video angesprochenen Seminaren für Kulturbetriebe finden Sie hier.

Das Kulturmanagement Forum wird jedes Jahr vom Institut für Kulturkonzepte veranstaltet und fand 2017 am 22. November statt. So hat das Programm ausgesehen:

09.30-10.00 Uhr Check-in, Kaffee & Kuchen

10.00-11.00 Uhr Begrüßung

Keynote: „BUSINESS AS USUAL: Vermehrt Schönes?“

Ruth Goubran, Erste Group Bank AG

11.00-13.00 Uhr Best Practice Vorträge

Drei Beispiele zeigen aus unterschiedlichen Perspektiven neue Herangehensweisen an den gesellschaftlichen Wandel:

„MITEINANDER WEITER DENKEN – WIE BÜRGER_INNENPARTIZIPATION FUNKTIONIEREN KANN“

Caren Ohrhallinger, nonconform

Eigentlich ist nonconform ein Architekturbüro. Aber nur eigentlich. Uns geht es vielmehr darum, ein langfristig lebendiges Umfeld für verschiedene Lebensbereiche zu schaffen. In nur drei Tagen werden für Gemeinden, Städte und Schulen innovative und wertbeständige Raumkonzepte in einem Pop-Up Büro direkt vor Ort entwickelt. Ganz nach dem Motto „miteinander weiter denken“ sind alle BürgerInnen in diesem Zeitraum herzlich dazu eingeladen, Ideen und Visionen für ein geplantes Bauvorhaben einzubringen, die anschließend „live“ in die Entwicklung einer Lösung einfließen. Damit ist nonconform Vorreiter für die Gestaltung und Moderation von kreativen und nachhaltigen Bürgerbeteiligungsprozessen.

Das muss aber gelernt sein: nonconform lebt Beteiligungshandwerk und –kultur und wendet diese Methoden sogar auf sich selbst an. Caren Ohrhallinger, Partnerin und Geschäftsführerin bei nonconform, berichtet aus praktischer Erfahrung.

„KOMMUNIKATION DURCH BEWEGTBILD – NEUE MÖGLICHKEITEN IM KULTURELLEN UMFELD“

Clemens Kopetzky, art:phalanx – Agentur für Kultur und Urbanität/ Clever Contents

Die Kommunikationsagentur art:phalanx und Ihr Schwesterunternehmen Clever Contents Filmproduktion agieren an der Schnittstelle von Kulturschaffenden und Kulturnutzenden und unterstützen dabei, Ideen und Konzepte in die Realität umzusetzen. In der Kulturkommunikation sehen die beiden Unternehmen besonders im Bewegtbild großes Potenzial. In diesem Vortrag untersuchen wir die (neuen) Einsatzmöglichkeiten von bewegtem Bild im Museumsumfeld sowie im Bühnen- und Konzertbereich. Welche Chancen ergeben sich durch digitalen Content, um neue Zielgruppen anzusprechen? Welche (noch größere) Rolle wird Video on Demand in Zukunft im Kulturkontext einnehmen?

Clemens Kopetzky, Geschäftsleiter von art:phalanx & Clever Contents, präsentiert anschauliche Beispiele aus der Praxis und lädt zur Diskussion ein.

„WIE GELINGT POSITIVER WANDEL? STRATEGIEN & LÖSUNGSANSÄTZE DES MAK“

Christoph Thun-Hohenstein, MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst

Das MAK beschäftigt sich in seinem Programm laufend mit dem Thema Zukunft – sei es bei der VIENNA BIENNALE 2017, die den digitalen Wandel ins Zentrum rückt oder bei Formaten wie dem MAK FUTURE LAB, bei dem der Fokus auf Gemeinwohlstrategien und innovativen Geschäftsmodellen liegt. „Das MAK thematisiert unsere Zukunft, indem es gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen mit Perspektiven und Ansätzen der Gegenwartskunst, der angewandten Kunst, des Design und der Architektur konfrontiert und als treibende Kraft für einen positiven Wandel unserer Gesellschaft vor allem in sozialer, ökologischer und kultureller Hinsicht eintritt.“  (mak.at)

Wie das in der Praxis aussieht, welche Formate und Konzepte das MAK on- und offline entwickelt, verrät uns Generaldirektor und wissenschaftlicher Geschäftsführer Christoph Thun-Hohenstein.

13.00 – 14.00 Uhr Mittagspause

14.00-15.45 Uhr Praxistransfer

Vorbereitete Thementische in moderierten Kleingruppen bieten Raum für kollegialen Erfahrungsaustausch und die Auseinandersetzung mit individuellen Fragestellungen.

16.00-17.30 Uhr Podiumsdiskussion:

„DER DRUCK STEIGT – DIE MÖGLICHKEITEN AUCH“

Wer kommuniziert heutzutage wie und über welche Kanäle über Kunst und Kultur? Welche Herausforderungen und Chancen bringt die Digitalisierung mit sich? Welche Rolle spielen Blogs und Social Media Kanäle? Wir diskutieren mit drei ExpertInnen darüber, welche Aufgaben die klassischen Medien heutzutage erfüllen bzw. erfüllen müssen, über steigende Anforderungen und über neue Möglichkeiten.

Am Podium:

Ana Berlin, A B C Ana Berlin Communications

Verena Dahlitz, Albertina 

Stefan Weiss, DER STANDARD

Moderation:

Karin Wolf, Institut für Kulturkonzepte

17.30-18.30 Uhr Networking

bei Wein und Snacks

 

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