„Überzeugt mich!“ – Der Kulturmanagement Tag 2018

Kulturmanagement Tag Publikum

Foto: Martina Brunner

Ein Beitrag von Ulli Koch

Am Anfang jedes Kulturprojekts steht eine Idee, die in ein überzeugendes Konzept verwandelt werden will. Warum ein Konzept so wichtig ist? Nun, zunächst hilft es, sich selbst darüber klar zu werden, was hier überhaupt realisiert werden will – schließlich soll es andere überzeugen an diesem Projekt zu partizipieren, sei es als BesucherIn oder Förderstelle. Überzeugend hat auch die Bewerbung zu sein, die den Einstieg in den Kulturbetrieb bedeutet.

Christine Steindorfer

Foto: Martina Brunner

Das PR-Konzept

Überzeugen lautet also die Maxime und dies gelingt unter anderem durch ein gelungenes, durchdachtes PR-Konzept. „Planung ist alles!“ ist der erste und wichtigste Tipp, den Christine Steindorfer, Lehrende am Institut für Kulturkonzepte und selbstständige PR-Beraterin in der Firma wortart, den Anwesenden mit auf den Weg gibt. So lautet auch der erste Schritt: sich der aktuellen Problemstellung (z.B. potentielle BesucherInnen auf eine Ausstellung aufmerksam zu machen) bewusst zu werden und eine Ist-Analyse durchzuführen. Dabei stehen vor allem die Fragen nach den vorhandenen Ressourcen im Mittelpunkt, die auf personeller, finanzieller, zeitlicher und organisatorischer Ebene analysiert werden. Ein weiterer Tipp: Die Ist-Analyse verschriftlichen, denn so kann ich später darauf zurückgreifen, sie immer wieder zur Hand nehmen und den Überblick behalten.

Screenshot_ChristineSteindorfer_PRKonzept

Ausschnitt aus Christine Steindorfers Vortragsfolien

Ist diese Analyse getan, gilt es sich mit den Dialoggruppen näher zu beschäftigen: Mit wem trete ich in Kontakt? Mit wem muss ich was kommunizieren? Wer ist für mich wichtig? Dabei hilft es sehr, sich dieser Dialoggruppe ganz genau bewusst zu werden, also zu überlegen welche Gruppen die meisten Anknüpfungspunkte zu meinem Projekt haben und warum genau diese an meinem Projekt interessiert sind. Ist dies getan, werden bereits die Kommunikationsziele definiert, die so konkret wie möglich formuliert werden sollten. Nach all diesen Schritten, kann ich nun eine Strategie entwerfen, die mein leitender Faden durch das Projekt wird. Darauf aufbauend werden die Maßnahmen definiert sowie eine Zeit- und Kostenplanung durchgeführt. Die notwendigen Maßnahmen können z.B. der Druck eines Flyers, Gestaltung einer Website, Organisation einer Pressekonferenz, Social Media Accounts und dergleichen sein. Dazu zählt auch, dass ich mir bewusst bin, welche Vorlaufzeit die einzelnen Schritte haben, denn jede Förderstelle hat eine Deadline und jeder Druckauftrag braucht eine gewisse Zeit. Schließlich können die einzelnen Maßnahmen entlang der Strategie in die Tat umgesetzt und nach erfolgreichem Projektabschluss evaluiert werden. Der letzte Tipp, den Christine Steindorfer den Anwesenden mit auf den Weg gibt, ist die Berücksichtigung der internen PR. „Egal wie klein mein Team ist – es ist essentiell, dass alle in die gleiche Richtung gehen und der gleichen Vision folgen.“

Andrea Zsutty

Foto: Martina Brunner

Die Kulturvermittlung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kulturvermittlung, in die Andrea Zsutty, Leiterin der Kulturvermittlung des Bank Austria Kunstforums sowie Leiterin des Lehrgangs Kulturvermittlung am Institut für Kulturkonzepte, einen Einblick gibt. Zu den Aufgaben der Kulturvermittlung zählt die Entwicklung und Konzeption von Vermittlungsprogrammen sowie deren Planung und Budgetierung und schließlich die Koordination und Durchführung. Die Vermittlung selbst erfolgt auf drei Ebenen: Zunächst die personale Vermittlung, bei der Menschen zusammenkommen und z.B. bei einem Workshop ins Gespräch kommen. Bei der medialen Vermittlung, die sowohl analog als auch digital erfolgt, werden begleitende Medien entwickelt. Dies reicht von der Erstellung von Begleitmaterial bis hin zur Entwicklung von Audio- oder Multimedia-Guides. Die dritte Ebene umfasst die räumliche Vermittlung, bei der BesucherInnen-Räume kuratiert und gestaltet werden. Mit den BesucherInnen treten KulturvermittlerInnen auf unterschiedliche Weise in Kontakt. Die wohl bekannteste Form ist die rezeptive, die sich durch Katalog- und Wandtexte, Vorträge und Führungen auszeichnen kann. Bei der interaktiven Form steht der Dialog im Vordergrund, also beispielsweise das Abhalten von Workshops. Die BesucherInnen besser einbinden kann man mit der partizipativen Form. Dabei interagieren alle Beteiligten gleichberechtigt und die VermittlerInnen laden die BesucherInnen zur tatsächlichen Teilhabe ein. Bei der kollaborativen Form besteht die größte BesucherInneneinbindung. Hier fungieren die BesucherInnen tatsächlich als PartnerInnen, mit denen gemeinsam ein Projekt realisiert wird. Ein Beispiel dafür sind Projekte mit AnrainerInnen in einem Stadtgebiet.

Georg Steker

Foto: Martina Brunner

Die Kulturfinanzierung

Ohne Finanzierung kein Projekt – doch die notwendige Finanzierung aufzustellen, kann schwierig sein. Georg Steker, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer der MUSIKTHEATERTAGE WIEN und Dozent am Institut für Kulturkonzepte, gibt wertvolle Tipps. Für eine gelungene Finanzierung zählen weniger die künstlerischen Inhalte als die Rahmenbedingungen, innerhalb derer ein Projekt realisiert wird. Wichtig dabei ist, realistisch zu sein, also auch realistisch einzuplanen, wie viel und was in ein Projekt investiert werden kann. Auch hier ist Planung das oberste Gebot, unter anderem um die Deadlines der einzelnen Förderstellen im Blick zu behalten. Um sich einen Überblick über die einzelnen Kosten zu verschaffen ist es hilfreich, einen Projektstrukturplan zu entwickeln. Auch hier wieder der Tipp ehrlich und realistisch zu kalkulieren und eher den höheren Wert bei einzelnen Positionen anzugeben. Ein finanzieller Puffer hat schon so manches Projekt gerettet. Anschließend gilt es die richtigen Förderstellen auszuwählen. Wen interessiert mein Projekt? Und warum ist es genau für diese Förderstelle interessant? Hilfreich ist zudem ein genaues Studium der Förderkriterien sowie der einzelnen (Jahres-)Schwerpunkte, die sich eine Förderstelle gesetzt hat. Da jede Förderstelle mit sehr vielen Einreichungen konfrontiert wird, ist es wichtig, das eigene Projekte gleich zu Beginn des Ansuchens kurz, prägnant und knackig zu präsentieren. Und der letzte Tipp von Georg Steker: Einen persönlichen Termin ausmachen, denn dies hilft bei der Einschätzung, ob dies die richtige Förderstelle ist, sowie um zu erfahren, warum manche Projekte dann doch scheitern.

Podiumsdiskussion

Foto: Martina Brunner

Der Bewerbungsprozess

Den Abschluss des Kulturmanagement Tags 2018 bildet eine Podiumsdiskussion, moderiert von Karin Wolf, Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte. Am Podium haben Verena Kaspar-Eisert, Kuratorin im Kunst Haus Wien, sowie Julia Flunger-Schulz, Geschäftsführerin der Kunstmeile Krems, Platz genommen. Beide sind erfolgreiche Kulturmanagerinnen und sind außerdem für das Einstellen neuen Personals in ihrem Betrieb mitverantwortlich. Als sich die beiden vorstellen zeigt sich, dass sie keinen linearen Lebenslauf ausweisen, sondern sehr vielfältige berufliche Stationen erlebt haben. So meint auch Verena Kaspar-Eisert, dass es wichtig ist, sich über verschiedene Jobs selbst kennenzulernen, um herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen, was Leidenschaft hervorruft und was einer Person liegt. Julia Flunger-Schulz ergänzt, dass es wichtig ist, beim Lebenslauf ehrlich zu sein und auf den Punkt zu kommen. Kurz und prägnant die aktuellsten Stationen herauszustreichen und dabei klar zu machen, warum ich für einen Job qualifiziert bin, ist hilfreich und führt zum Erfolg.

Der Kulturmanagement Tag fand am 14. Februar 2018 bereits zum zwölften Mal statt und wird auch 2019 wieder vom Institut für Kulturkonzepte organisiert.

Ein herzliches Dankeschön an unser Publikum, an alle Vortragenden und Gäste, ans Kulturkonzepte-Team sowie an Martina Brunner für die tollen Fotos:

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