„So spricht eine Königin!“ – 3 royale Tricks für ein starkes Auftreten von Hans Ruchti

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Foto: Cristina Gottardi | Unsplash

Hans Ruchti ist Schauspieler und Synchronsprecher sowie Stimm- und Sprechtrainer in Zürich. Vom 17.-18. Oktober 2018 gastiert er am Institut für Kulturkonzepte mit seinem Seminar „The Queen’s Speech – So spricht eine Königin“ in Wien. Für diesen Beitrag haben wir ihm schon vorab 3 Tricks für ein starkes Auftreten bei Vorträgen oder in Meetings entlockt – die sich vor allem an Frauen richten.

Das Seminar „The Queen’s Speech“ hast du speziell für Frauen entwickelt. Warum? Und was haben Stimm- und Sprechtraining mit der Königin zu tun?

Oft kommt mir zu Ohren, dass Frauen in Meetings oder bei Präsentationen tendenziell leise und zurückhaltend sprechen. Das beobachte ich auch selbst häufig. Ich bin der Meinung, dass Frauen vermehrt, vor allem im Hinblick auf die aktuelle #metoo-Debatte, ihre Stimme erheben müssen.

Zu meinem Seminartitel haben mich zwei Dinge inspiriert: Einerseits tatsächlich der Film „The King’s Speech“ und andererseits das Stück „Das Glas Wasser“ am Schauspielhaus Zürich. Darin geht es um eine Königin, die nicht befehlen kann. Am Ende des Stücks hat sie es aber geschafft, auf eine gute Weise – authentisch und klar – Befehle zu erteilen.

Hier sind 3 Tricks, mit denen Sie Ihre innere Königin wecken und bei Vorträgen & Besprechungen glänzen:

  1. Körperbewusstsein & Haltung

Eine Königin (und alle anderen, die gehört und verstanden werden wollen) steht niemals wie ein Nussbeugerl in der Gegend, sondern aufgerichtet! Es ist also Zeit für die Krone. Diese sollte nicht zu schwer und nicht zu leicht sein. Befindet sich die Krone umständlicherweise derzeit in der Schatzkammer, so eignet sich auch ein Reclam-Heft (vorzugsweise „Das Glas Wasser“ von Eugene Scribe), ein Jongliersackerl oder ein Glasuntersetzer aus Karton. Nachdem die Krone (durch die Hofdame) aufgesetzt wurde, nimmt die Königin das feine Gewicht auf dem royalen Haupt wahr und reckt sich ihm entgegen, indem sie Nacken und Wirbelsäule aufrichtet. Dabei achtet sie darauf, dass die Füße etwa hüftbreit auseinander sind und Fußsohlen einen guten Bodenkontakt haben. Des Weiteren sind die Knie nicht durchgestreckt, sondern locker (leicht angewinkelt) genauso wie die royale Hüfte locker und beweglich ist. Schließlich sind Schultern und Arme schwer und hängen am Körper. Nun kann die Königin ein paar Schritte im Raum gehen im barocken Kleid, in vollem Ornat oder nur mit der Vorstellung dessen. Eine Königin richtet den Blick stets geradeaus ohne etwas zu fixieren.

  1. Atmung

Eine Königin ist niemals hochatmig, sondern atmet in den Bauch. Nachdem die Handschuhe (durch die Hofdame) ausgezogen wurden, reibt die Königin im Stehen oder Liegen die königlichen Hände schnell aneinander bis sie angenehm warm sind. Nun legt sie sie auf den Bauch und genießt einmal nur die wohlige Wärme der Hände dort. Dann nimmt sie die Wölbung und Senkung unter ihren Händen wahr und lässt diese zu. Möglicherweise lockert an dieser Stelle die Hofdame die königliche Korsage und es löst sich gar ein Seufzer. „Es“ atmet die Königin nun in den Bauch. Sie braucht den Atem nur zu entlassen; er kehrt nach einer Pause ganz von selber wieder.

  1. Stimme, Artikulation & Intention

Eine Königin spricht niemals leise und unbestimmt, sondern befiehlt! Die Königin reibt sich im Stehen noch einmal die königlichen Hände schnell aneinander bis sie wieder angenehm warm sind (energetisierend). Diesmal legt sie sie aber auf das Gesicht. Dabei achtet sie darauf, dass der Kiefer gelöst ist, der Mund also im besten Fall leicht geöffnet. Nun fängt sie an, mit den Fingerspitzen das ganze Gesicht abzuklopfen, gleich einem angenehm tropisch warmen Regen. Sie streicht die Kiefermuskulatur nach unten (der königliche Kiefer geht dabei leicht mit) und massiert mit den beiden Daumen den Zungengrund. Darauf wechselt sie (sehr zur Verwirrung der Hofdame) ein paarmal zwischen Kussmund und breitestem Lächeln (mit geschlossenen Lippen) hin und her. Dann lässt sie die Lippen flattern und die Stimme von unten nach oben und umgekehrt klingen. Schließlich gibt sie ein paar Befehle indem sie auf einzelne Untertanen zeigt und dann bspw. befiehlt: „Raus!“ „Komm!“ „Nein!“ „Doch!“ „Geh!“ Dabei achtet sie auf höchsten Genuss und Freude.

Hans, was macht dir an deiner Arbeit als Stimm- und Sprechtrainer am meisten Spaß?

Dass man die Arbeit an Atmung, Stimme und Sprechen nicht begreifen kann, sondern erleben muss. Tipps zum besseren Sprechen und Auftreten kann man in einem Satz schreiben, sodass es in der Theorie verstanden wird. Das Interessante an der Atem-, Stimm- und Sprecharbeit aber ist, dass man den Kopf dabei „an der Garderobe abgibt“ und einfach ins Tun kommt. Meine Arbeit beinhaltet sehr viele spielerische Elemente und man muss sich trauen, sich zum Affen zu machen – was mir selbst sehr viel Spaß macht. Am meisten beeindrucken mich die unmittelbaren Resultate bei meinen TeilnehmerInnen. Regelmäßig bin ich beeindruckt und gerührt, wenn sie mir erzählen, dass sie nach dem Training tolle Projekte bewilligt bekommen haben oder sich nun trauen, ihre Stimme zu erheben.

Worauf können sich deine Seminarteilnehmerinnen im Oktober freuen?

Auf eine sehr schöne Atmosphäre, in der „frau“ sich selbst gut ausprobieren kann. Die Teilnehmerinnen nehmen die Seminare spielerisch mit und haben schnell Resultate, die sie gleich anwenden können. Das Seminar macht einfach Spaß!

Erfahren Sie mehr zum Seminar „The Queen’s Speech – So spricht eine Königin“ im Oktober und zu unserem ganzjährigen Weiterbildungsprogramm für Kulturbetriebe!

Hans Ruchti
Foto: © Mirjam Knickriem

Hans Ruchti

Zwanzig Jahre Berufserfahrung als Schauspieler und Sprecher in der Schweiz und im deutschsprachigen Ausland sowie ein akademischer Fachausweis als geprüfter Stimm- und Sprechtrainer in atemrhythmisch angepasster Phonation AAP® sowie der eidgenössische Fachausweis als Ausbilder zeichnen Hans Ruchti aus. Zu seinen Referenzen gehören unter anderem die Schweizer Hochschule für Logopädie Rorschach SHLR, das Präsidialdepartement der Stadt Zürich, die Hochschule Luzern Design und Kunst sowie das mumok und der Erste Financial Life Park (FLiP) in Wien. Er spielt immer wieder gerne den Lockvogel bei „Verstehen Sie Spaß?“. www.hansimnetz.ch

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