Vermittlung auf Augenhöhe – Absolventin Carmen Löw

Carmen Mörsch

Foto: ANWORA

Wissen ist eine Macht, die wächst, wenn man sie teilt.

Carmen Löw ist Absolventin des Zertifikatlehrgangs Kulturvermittlung am Institut für Kulturkonzepte. In diesem Beitrag schildert sie uns ihren Werdegang und ihre aktuelle Tätigkeit und verrät uns, warum Vermittlung auf Augenhöhe für sie essentiell ist:

Dass ich einmal im Bereich Kunst und Kultur arbeiten würde, war mir nicht wirklich in die Wiege gelegt. Bei uns zu Hause standen die Natur, das Selbermachen und das Handwerkliche im Vordergrund. Archäologie zu studieren war für mich ein ungewöhnlicher Schritt, den ich mehr aus einem Bauchgefühl heraus gefasst hatte und der mich letzten Endes aus dem kleinen Saarland (D) in die große Stadt Wien verschlagen würde.

Ich arbeite hier für das Kuratorium Pfahlbauten. Die kleine Organisation managt den österreichischen Teil des seriellen und transnationalen UNESCO-Welterbes „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“, an dem sechs alpine Länder Anteil haben. Zu diesen gehören neben Italien und Slowenien noch Frankreich, Deutschland und die Schweiz. Mit den drei letztgenannten Ländern ist meine Biografie intensiv verflochten. In der Schweiz habe ich eine Weile gelebt und als Saarländerin bin ich nicht nur gleich neben, sondern auch sehr stark mit Frankreich aufgewachsen. Für eine Weile war ich dort jedes Jahr für mehrere Wochen auf Ausgrabungen und meine erste Anstellung hatte ich in  einem deutsch-französischen Archäologiepark.

Ausstellungen des Kuratoriums Pfahlbauten

Foto: Kuratorium Pfahlbauten; Ausstellungen des Kuratoriums Pfahlbauten im Strandbad von Weyregg

Das war vor rund 10 Jahren. Ich war dort als Museumsdidaktin tätig. Meine Qualifikation bestand da aus nichts anderem als meinem abgeschlossenen Archäologiestudium, was ich heute recht bedenklich finde. Wenn ich mir allerdings anschaue, was ich damals alles gemacht habe, bin ich damit trotzdem überraschend zufrieden. Ich habe im Park schon versucht, den Menschen eine ehrliche Teilhabe zu ermöglichen. Das ist mir nach wie vor wichtig, weil finde, dass Vermittlung auf Augenhöhe einfach besser funktioniert.

Im Unterschied zu früher weiß ich heute allerdings auch, warum das so ist. Das wichtigste, das ich neben der Vermittlungsarbeit im Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim mitgenommen habe, war vor allem der Einblick in den Austausch zwischen Marketing und Archäologie. Ich war entsetzt, als ich merkte, wie viel Information zwischen diesen beiden Arbeitsbereichen verloren geht – einfach, weil der eine nicht weiß, was der andere hat oder braucht.

Als ich 2010 aus privaten Gründen nach Österreich ging und beruflich neu startete, wollte ich genau da ansetzen. Ich bildete mich weiter in Public Relations, später auch Krisenkommunikation, in Marketing & Sales und in Fundraising. Mein neu gewonnenes Wissen wendete ich erstmals für die Hallstatt-Forschung des Naturhistorischen Museums Wien an, indem ich in deren Auftrag gemeinsam mit den beteiligten WissenschaftlerInnen einen Wikipedia-Artikel verfasste. Gerade Hallstatt war für mich natürlich ein spannender Ort, nachdem es dort 2011 eine echte Kommunikationskrise im Denkmalschutz gegeben hatte. Die Krise hatte einen derart lehrbuchartigen Charakter, dass ich heute noch oft auf sie zurückgreife, wenn es mir darum geht, das Verhältnis von Archäologie und Öffentlichkeit zu erklären. Diesem Verhältnis kommt bei unserer Arbeit im Kuratorium eine besondere Bedeutung zu. Wir haben dazu inzwischen einen eigenen Forschungsbereich eingerichtet, die Studies on Community Heritage Involvement and Communication, in dem ich mich gemeinsam mit Cyril Dworsky austoben kann.

Unterwasser-Ausgrabung

Foto: Kuratorium Pfahlbauten; Livestream von der Unterwasser-Ausgrabung des Kuratoriums Pfahlbauten im Attersee.

Im Institut für Kulturkonzepte habe ich meine bislang letzte große Weiterbildung gemacht, nämlich jene zur Kulturvermittlerin. Mir war dieses Fachwissen wichtig, weil Vermittlung natürlich ein ganz wichtiger Hebel ist, um eine Bindung der Menschen an ihr Kulturerbe zu fördern. Eine solche Bindung bedeutet nicht nur einen besseren Schutz für die sensiblen archäologischen Reste, sondern ist auch Teil der Umsetzung des UNESCO-Auftrags. In der Welterbekonvention, die Österreich ratifiziert hat, wird nämlich ausdrücklich verlangt, dass die Denkmäler in den Alltag der Menschen zu integrieren sind. Das geht bei den von uns betreuten fünf Siedlungen, die alle unter Wasser verborgen sind, fast ausschließlich durch Vermittlungsarbeit. Auch sehe ich nicht, wie archäologische Denkmäler überhaupt ohne Vermittlungsarbeit ihrer Funktion gerecht werden könnten. Solche Denkmäler sind weder bewusst platziert noch konzipiert. Sie sind – und zwar genau da, wo sie immer schon waren. Wenn sie uns in unserem heutigen Leben bereichern sollen, wenn sie etwas bewirken oder verändern sollen, dann geht das nur mit Vermittlung.

Genau dafür habe ich mir im Lehrgang Kulturvermittlung einen theoretischen Hintergrund aneignen können, auf den ich jetzt bei der Entwicklung unserer Programme immer wieder zurückgreife. Aber auch der Input aus unterschiedlichen Richtungen der Kunst- und Kulturszene hat mit gut getan und ich habe viele Denkanstöße mitgenommen, die mir beim Querdenken helfen. Last but not least bin ich in das große Netzwerk des Instituts hineingewachsen. Dafür bin ich ehrlich dankbar, denn hier fand sich bislang für jedes Problem nicht nur ein offenes Ohr, sondern auch immer guter Rat.

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